- Etwa jeder dritte Mensch trägt Staphylokokken in der Nase, und etwa 2 von 100 Menschen tragen MRSA (methicillinresistenter Staphylococcus aureus).1
- Das Tragen von Staphylokokken, Besiedlung genannt, verursacht keine Symptome und ist meist harmlos.5
- Wichtiger wird es vor einer Operation, während einer Dialyse oder bei medizinischen Hilfsmitteln, denn dann haben Träger ein höheres Infektionsrisiko.2
- Träger können Staphylokokken an andere weitergeben, deshalb bleibt Alltagshygiene wichtig.1
Was es bedeutet, Staphylokokken zu tragen
Träger von Staphylokokken zu sein bedeutet, dass Staphylococcus aureus auf Ihrem Körper lebt, ohne Sie krank zu machen. Ärztinnen und Ärzte sprechen dann von „Besiedlung“. Es gibt keinen Ausschlag, keine Schmerzen und kein Fieber. Die meisten Träger erfahren es nie.5 Träger zu sein ist nicht dasselbe wie eine Infektion zu haben, und es ist kein Zeichen dafür, dass Sie etwas falsch gemacht haben.
Das Naseninnere, direkt hinter den Nasenlöchern, ist der Hauptlebensraum von Staphylokokken.1 Sie können auch auf der Haut, in den Achseln, im Darm und im Leistenbereich leben.3
Wie häufig das ist
Sehr häufig. Etwa jeder dritte Mensch trägt Staphylokokken in der Nase, und etwa 2 von 100 Menschen tragen MRSA, die Form, die auf einige gängige Antibiotika nicht anspricht.1
Die Trägerschaft verändert sich außerdem im Lauf der Zeit. Eine bekannte Übersichtsarbeit beschrieb drei Muster: Etwa 20 % der Menschen tragen Staphylokokken fast ständig, etwa 60 % zeitweise und etwa 20 % fast nie.2 Spätere Studien fanden eine größere Streuung dieser Zahlen, doch der Grundgedanke gilt weiter: Manche Nasen sind für Staphylokokken freundlicher als andere.3 In einer in dieser Übersichtsarbeit beschriebenen Studie brachten Forschende Staphylokokken in die Nasen von Freiwilligen ein. Bei Menschen, die keine Träger waren, waren sie nach etwa 4 Tagen verschwunden, bei dauerhaften Trägern hielten sie sich dagegen mehr als 154 Tage.3
Warum manche Menschen Träger sind
Die Wissenschaft sucht noch nach den Gründen. Studien haben höhere Trägerraten mit mehreren Faktoren in Verbindung gebracht, darunter Diabetes, Adipositas, atopische Dermatitis (Neurodermitis, eine häufige Form von Ekzem) und wiederholte Furunkel in der Vorgeschichte.3 Menschen, deren Haut häufig durchstochen wird, etwa Dialysepatientinnen und -patienten, tragen ebenfalls häufiger Staphylokokken.2
Auch enger Kontakt spielt eine Rolle. Staphylokokken wandern zwischen Menschen, die zusammenleben, und Familienmitglieder, die sie ohne Symptome tragen, können sie immer wieder weitergeben.6
Wann es wichtig ist, Träger zu sein
Bei den meisten gesunden Menschen verursacht das Tragen von Staphylokokken die meiste Zeit keine Probleme. Träger haben jedoch in bestimmten Situationen ein höheres Infektionsrisiko, etwa bei Operationen, bei Dialyse und bei Hilfsmitteln wie Venenzugängen.2 Auch Menschen, die MRSA tragen, haben ein höheres Infektionsrisiko.2 Außerhalb solcher Situationen leben die meisten Träger ohne jegliche Probleme durch Staphylokokken.
Warum das zusätzliche Risiko? Die Staphylokokken, die eine Infektion auslösen, stammen oft vom eigenen Körper. Eine Übersichtsarbeit ergab, dass rund 80 % der Staphylokokken-Infektionen an Operationswunden mit den Staphylokokken in der Nase der Patientin oder des Patienten übereinstimmten.3 Träger können Staphylokokken auch ohne Symptome an andere weitergeben.1 Mehr darüber, wie sie sich verbreiten, lesen Sie in Sind Staphylokokken ansteckend?
Tests und was Ärztinnen und Ärzte tun können
Ein Nasen- oder Hautabstrich kann zeigen, ob Sie Staphylokokken oder MRSA tragen.4 Ein positives Ergebnis bedeutet nicht, dass Sie krank sind. Es bedeutet, dass der Keim vorhanden ist.4 Die meisten Menschen brauchen diesen Test nicht. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt kann ihn vor manchen Operationen, während eines Krankenhausaufenthalts oder bei immer wiederkehrenden Hautinfektionen veranlassen.
Das Entfernen von Staphylokokken bei Trägern, Dekolonisation (Sanierung) genannt, senkte nachweislich die Infektionsraten bei manchen Operations- und Dialysepatientinnen und -patienten.2 Bei Menschen mit wiederkehrenden Hautinfektionen wirkt es laut Fachleuten oft besser, den ganzen Haushalt zu behandeln, als wenn eine Person allein handelt.6 Dazu gehören meist verschreibungspflichtige Mittel und ein fester Ablauf. Es ist also ein Plan, den Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt aufstellen, und nichts, was Sie auf eigene Faust ausprobieren sollten. Wenn Ihre Ärztin oder Ihr Arzt es empfiehlt, fragen Sie genau nach, wie und wann jeder Schritt erfolgen soll, und halten Sie sich eng an den Plan.
Alltagsgewohnheiten für Träger
Sie müssen nicht wissen, ob Sie Träger sind, um sich und andere zu schützen. Dieselben Gewohnheiten helfen in jedem Fall:
- Waschen Sie sich oft die Hände, besonders nachdem Sie Nase oder Gesicht berührt haben.
- Halten Sie Schnitte und Schürfwunden sauber und abgedeckt, bis sie verheilt sind.
- Teilen Sie keine Handtücher, Rasierer oder Nadeln.5
- Versuchen Sie, nicht in der Nase zu bohren oder an Schorf zu kratzen, denn dadurch gelangen Staphylokokken auf verletzte Haut.
- Waschen Sie Handtücher und Kissenbezüge regelmäßig und trocknen Sie sie vollständig.
Diese Gewohnheiten kosten wenig und schützen die Menschen in Ihrer Umgebung, unabhängig davon, ob Sie sich jemals testen lassen.
Wann Sie ärztlichen Rat einholen sollten
Träger zu sein ist keine Krankheit. Rufen Sie aber eine Ärztin oder einen Arzt an, wenn Sie Folgendes bemerken:
- Eine Beule oder wunde Stelle, die rot, geschwollen, warm, schmerzhaft oder voller Eiter ist
- Fieber oder Schüttelfrost zusammen mit einer Hautinfektion
- Hautinfektionen, die immer wiederkommen, bei Ihnen oder anderen in Ihrem Haushalt
- Rötung, Schwellung oder austretende Flüssigkeit in der Nähe einer Operationswunde oder eines medizinischen Hilfsmittels
Suchen Sie umgehend ärztliche Hilfe auf oder wählen Sie den Notruf 112 bei Fieber mit sich schnell ausbreitender Rötung, bei Verwirrtheit, bei Atemnot oder wenn ein Baby sehr krank wirkt.
Wenn bei Ihnen eine Operation ansteht, können Sie Ihr Behandlungsteam ruhig fragen, ob es auf Staphylokokken testet und was es empfiehlt.
- Centers for Disease Control and Prevention. Clinical Overview of Methicillin-resistant Staphylococcus aureus (MRSA) in Healthcare Settings. https://www.cdc.gov/mrsa/hcp/clinical-overview/index.html
- Kluytmans J, van Belkum A, Verbrugh H. Nasal carriage of Staphylococcus aureus: epidemiology, underlying mechanisms, and associated risks. Clinical Microbiology Reviews. 1997;10(3):505-520. https://doi.org/10.1128/cmr.10.3.505
- Sakr A, Brégeon F, Mège JL, Rolain JM, Blin O. Staphylococcus aureus nasal colonization: an update on mechanisms, epidemiology, risk factors, and subsequent infections. Frontiers in Microbiology. 2018;9:2419. https://doi.org/10.3389/fmicb.2018.02419
- Cleveland Clinic. MRSA (Methicillin-Resistant Staphylococcus Aureus). https://my.clevelandclinic.org/health/diseases/11633-methicillin-resistant-staphylococcus-aureus-mrsa
- Centers for Disease Control and Prevention. Staphylococcus aureus Basics. https://www.cdc.gov/staphylococcus-aureus/about/index.html
- Creech CB, Al-Zubeidi DN, Fritz SA. Prevention of recurrent staphylococcal skin infections. Infectious Disease Clinics of North America. 2015;29(3):429-464. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC4552962/