- In einer Studie aus dem Jahr 2018 mit 200 Menschen im ländlichen Thailand wurden bei niemandem Staphylokokken gefunden, in dessen Darmproben Bacillus-Bakterien enthalten waren.2,3
- In einer klinischen Studie aus dem Jahr 2023 senkte ein B. subtilis-Stamm die Staphylokokken im Darm um 96,8 % und in der Nase um 65,4 % im Vergleich zu Placebo.4
- Die Studie maß, wie viele Staphylokokken die Teilnehmenden trugen, nicht, ob sie Infektionen bekamen.4
- Die Ergebnisse gelten nur für diesen Stamm und diese Dosis, nicht für Probiotika im Allgemeinen. Größere Studien sind nötig.5
Die kurze Antwort
Bisher nicht nachweislich. In einer kleinen, von den US-Gesundheitsinstituten NIH geleiteten Studie senkte ein bestimmter probiotischer Stamm, Bacillus subtilis MB40, die Menge an Staphylokokken, die die Teilnehmenden im Darm und in der Nase trugen.4 Das ist ein interessantes Ergebnis. Gemessen wurde aber die Trägerschaft, nicht Infektionen, und die Studie sagt nur etwas über diesen einen Stamm in dieser einen Dosis aus.
Hier erfahren Sie, was die Forschung tatsächlich herausgefunden hat und warum die Details wichtig sind.
Warum sich die Forschung für Staphylokokken-Trägerschaft interessiert
Etwa 30 % der Menschen tragen Staphylokokken in der Nase, meist ohne jeden Schaden.1 Das Tragen von Staphylokokken ohne Symptome nennt man Besiedlung (Kolonisation), und es ist nicht dasselbe wie eine Infektion. Staphylokokken können auch im Darm leben.3
Ärztinnen und Ärzte sehen die Verringerung der Trägerschaft, die Dekolonisation (Sanierung), als sinnvollen Weg, um die Rate von Staphylokokken-Infektionen zu senken. Ansätze, die an Nase oder Haut ansetzen, hatten jedoch nur begrenzten Erfolg, und Antibiotika zum Einnehmen werden dafür nicht empfohlen, weil sie die übrigen Bakterien des Körpers stören und Antibiotikaresistenzen fördern können.4 Deshalb sucht die Forschung nach anderen Wegen, die Trägerschaft zu verringern.
Die Entdeckung von 2018 in Thailand
In einer 2018 in Nature veröffentlichten Studie untersuchte ein von den NIH geleitetes Team Darm- und Nasenproben von 200 Menschen im ländlichen Thailand.2,3 Etwa die Hälfte hatte Bacillus-Bakterien in ihren Darmproben, überwiegend B. subtilis.3 S. aureus wurde bei niemandem gefunden, in dessen Darmproben Bacillus enthalten war.3
Um herauszufinden, warum, setzte das Team die Untersuchungen an Mäusen fort. Als Mäuse mit Staphylokokken im Darm Sporen von B. subtilis mit dem Futter erhielten, verschwanden die Staphylokokken aus ihrem Darm. Eine Variante der Bakterien, die keine sogenannten Fengycine bilden konnte, hatte keine Wirkung.3 Das war ein wichtiger Hinweis darauf, wie Bacillus wirken könnte.
Fengycine sind Lipopeptide, die das Quorum Sensing von Staphylokokken blockieren – die chemische Signalübertragung, mit der Bakterien ihre Anzahl wahrnehmen und ihr Verhalten ändern. Staphylokokken brauchen diese Signale, um sich im Darm anzusiedeln.2,3 Der Teil der Studie am Menschen war eine Momentaufnahme: Er zeigte einen Zusammenhang, aber keinen Beweis, dass Bacillus den Unterschied verursacht hat.
Die Studie am Menschen von 2023
Der nächste Schritt war eine Phase-2-Studie, die 2023 in The Lancet Microbe veröffentlicht wurde. Sie schloss 115 Erwachsene in Thailand ein, die Staphylokokken trugen. Weder die Teilnehmenden noch die Forschenden wussten, wer was erhielt.4 Eine Phase-2-Studie ist eine Studie im mittleren Stadium. Sie prüft, ob etwas zu wirken scheint und ausreichend sicher ist, bevor es an größeren Gruppen getestet wird.
- Was eingenommen wurde: 55 Personen nahmen 30 Tage lang einmal täglich 250 mg des B. subtilis-Stamms MB40 ein. 60 Personen nahmen ein Placebo.4
- Was geschah: Im Vergleich zu Placebo sanken die Staphylokokken im Darm um 96,8 % und in der Nase um 65,4 %. In der Placebogruppe zeigte sich keine Veränderung.4,5
- Nebenwirkungen: Es wurden keine schweren Nebenwirkungen berichtet; mittelschwere waren selten und nicht häufiger als unter Placebo.4
Forschende der NIH erklärten, dass das Probiotikum Staphylokokken nicht zerstört. Es verringert stark deren Fähigkeit, sich anzusiedeln und zu bleiben.5
Was die Forschung nicht zeigt
- Gemessen wurde die Trägerschaft, nicht Infektionen. Die Studie erfasste, wie viele Staphylokokken die Teilnehmenden trugen. Sie untersuchte nicht, ob jemand weniger Infektionen bekam.4
- Sie gilt für einen Stamm und eine Dosis. Die Ergebnisse beziehen sich auf MB40 in einer Dosis von 250 mg pro Tag. Die gesundheitlichen Wirkungen eines Probiotikums hängen von seinen jeweiligen Stämmen und Mengen ab, daher lassen sie sich nicht auf Probiotika im Allgemeinen übertragen.6
- Es war eine einzelne, eher kleine Studie. Die Forschenden haben erklärt, dass größere und längere Studien nötig sind.5
- Sie untersuchte eine bestimmte Gruppe. Die Teilnehmenden waren Erwachsene, die in letzter Zeit weder Antibiotika genommen hatten noch im Krankenhaus gewesen waren.4
Einfach gesagt: Diese Forschung ist eine vielversprechende Spur, keine fertige Antwort. Die Trägerschaft zu senken ist ein sinnvolles Forschungsziel, aber nur Studien, die tatsächliche Infektionen zählen, können zeigen, ob das Menschen schützt.
Was das für Sie bedeutet
Bis auf Weiteres bleiben Alltagsgewohnheiten die bewährten Grundlagen: Waschen Sie Ihre Hände, halten Sie Schnittwunden abgedeckt und teilen Sie keine Handtücher oder Rasierer.1 Unser Ratgeber dazu, wie Sie Ihr Risiko für Staphylokokken senken, behandelt den Rest. Wenn Sie wiederholt Staphylokokken-Infektionen hatten, sprechen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt darauf an; dort kann man klären, was dahinterstecken könnte.
Wenn Sie über ein Probiotikum nachdenken, sprechen Sie zuerst mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, besonders wenn Sie schwer krank sind, ein geschwächtes Immunsystem haben oder es um ein Frühgeborenes geht. Probiotika können bei diesen Gruppen Probleme verursachen.6 Mehr dazu lesen Sie in Probiotika mit Bacillus subtilis.
Wann Sie ärztlichen Rat einholen sollten
Kein Probiotikum ist eine Behandlung für eine Staphylokokken-Infektion. Suchen Sie ärztliche Hilfe, wenn Sie Folgendes bemerken:
- eine Beule oder wunde Stelle, die gerötet, geschwollen, warm, schmerzhaft oder mit Eiter gefüllt ist
- eine Rötung, die sich ausbreitet, oder rote Streifen, die von einer Wunde ausgehen
- Fieber oder Schüttelfrost bei einer Hautinfektion
- eine Hautinfektion, die immer wiederkommt
Wenn Sie Fieber mit sich schnell ausbreitender Rötung, Verwirrtheit oder Atemnot haben, holen Sie umgehend ärztliche Hilfe oder rufen Sie den Notruf 112.
- Centers for Disease Control and Prevention. Staphylococcus aureus Basics. https://www.cdc.gov/staphylococcus-aureus/about/index.html
- Piewngam P, et al. Pathogen elimination by probiotic Bacillus via signalling interference. Nature, 2018;562:532–537. https://www.nature.com/articles/s41586-018-0616-y
- National Institutes of Health. NIH study finds probiotic Bacillus eliminates Staphylococcus bacteria. News release, October 10, 2018. https://www.nih.gov/news-events/news-releases/nih-study-finds-probiotic-bacillus-eliminates-staphylococcus-bacteria
- Piewngam P, et al. Probiotic for pathogen-specific Staphylococcus aureus decolonisation in Thailand: a phase 2, double-blind, randomised, placebo-controlled trial. The Lancet Microbe, 2023. https://www.thelancet.com/journals/lanmic/article/PIIS2666-5247(22)00322-6/fulltext
- National Institutes of Health. Probiotic markedly reduces S. aureus colonization in Phase 2 trial. News release, January 17, 2023. https://www.nih.gov/news-events/news-releases/probiotic-markedly-reduces-s-aureus-colonization-phase-2-trial
- NIH Office of Dietary Supplements. Probiotics: Fact Sheet for Consumers. https://ods.od.nih.gov/factsheets/Probiotics-Consumer/